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Bei verspätetem Ersatzflug besteht Anspruch auf zusätzliche Entschädigung

Verspätet sich nach einer Flugannullierung auch der Ersatzflug um mehr als drei Stunden, steht dem Reisenden ein weiterer Ausgleichsanspruch nach der VO zu. Dies entscheid das Amtsgericht Frankfurt am Main mit Urteil v. 27.06.2018 – 30 C 553/17 (20).

Ein Flug von Frankfurt am Main über Zürich und Johannesburg nach Durban wurde kurzfristig annulliert. Eine betroffene Reisende wurde von der Fluggesellschaft auf einen anderen Flug einer anderen Fluggesellschaft umgebucht. Dieser Ersatzflug erreichte Durban mit einer Verspätung von mehr als drei Stunden.

Nach dem Amtsgericht Frankfurt am Main steht der Reisenden auch für den Ersatzflug eine Entschädigung zu. Dass zwischen der Fluggesellschaft und ihr keine vertraglichen Beziehungen bestand, spiele keinerlei Rolle. Es komme allein darauf an, ob das Unternehmen den verspäteten Flug tatsächlich allein verantwortlich durchgeführt habe. Der Ersatzflug stelle eine "anderweitige Beförderung" im Sinne von Art. 8 VO dar. Dies schließe aber nicht die Anwendbarkeit des Art. 7 VO aus. Die mehrfache Entstehung eines Ausgleichsanspruchs wegen einer Häufung von Verspätungen oder Annullierungen auf verschiedenen Flügen stehe nicht im Widerspruch zur Systematik der Verordnung, so das Amtsgericht. Durch den Anspruch auf Ausgleichszahlung sollen die Unannehmlichkeiten ausgeglichen werden, die ein Passagier durch Verspätung oder Annullierung erleide. Bei der Verspätung oder Annullierung von Alternativflügen treten aber identische Unannehmlichkeiten auf.

Wir weisen darauf hin, dass es sich hierbei bislang um eine Einzelfallentscheidung handelt. Wir halten die Begründung des Amtsgerichts nachvollziehbar und in der Sache auch richtig. Dennoch können hieraus noch keine Rückschlüsse auf Entscheidungen anderer Gerichte geschlossen werden.